Unsere China-Reise vom 9. - 18. April 2000

Im Rahmen einer Delegationsreise hochrangiger burgenländischer Politiker und Wirtschaftsfachleute in die Schwesterprovinz Hunan begab sich der Musikverein Deutschkreutz als musikalischer Botschafter unseres Landes vom 9. bis 18. April 2000 auf eine großartige Konzertreise nach China.

Nach einem zwar sehr langen 12stündigen, aber angenehmen Flug landeten wir in der fernöstlichen Megametropole Hongkong, deren besonderer Reiz uns faszinierte und sofort in ihren Bann zog.

Von unserem zentral gelegenen First-Class-Hotel konnten wir alle bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Stadt leicht erreichen: den Hafen mit dem einzigartigen Blick auf die Skyline von Hongkong Island, den malerischen Stadtteil Aberdeen, wo heute noch Tausende Boat People am Wasser wohnen, den Panoramablick vom Victoria Peak über die ganze Stadt (um diese Jahreszeit leider immer sehr dunstig und diffus) oder die vielen Einkaufsstraßen und Märkte mit ihrem für uns Europäer so faszinierenden Pulsieren und geschäftigen Treiben. Die Menschen dort sind sehr, sehr freundlich und man fühlt sich auch relativ sicher. An das Essen mit Stäbchen gewöhnt man sich sehr schnell, und ob der hohen Temperaturen schmeckt auch chinesisches Bier ganz bekömmlich.

Eine Flugstunde von Hongkong entfernt liegt Changsha, die Hauptstadt der Provinz Hunan in Süd-Zentralchina, das eigentliche Ziel unserer Reise, denn Hunan ist quasi die Schwesterprovinz des Burgenlandes. Mit allen Ehren und unter großem Medieninteresse wurden wir in der Hotel-Lobby des Grand Sun City Hotels (das übrigens von einem Österreich geführt wird) empfangen. Viel politische Prominenz und sogar der österreichische Botschafter in Peking waren angereist, um an den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gesprächen teilzunehmen.

In den nächsten Tagen konnten wir uns von der Schönheit und dem Reiz des Landes sowie von der Gastfreundschaft der Menschen überzeugen. Bekanntlich hat China eine jahrtausendalte überlieferte Geschichte, mit der das Land nach wie vor tief verbunden ist. Viele Ausgrabungen vermittelten uns einen lebendigen Eindruck dieser schon sehr alten Hochkultur. Auch der Gründer der Volksrepublik China, Mao Tse-tung, ist in der Nähe von Changsha geboren und besuchte dort die Schule und die Universität.

Wie beliebt österreichische Musik selbst im fernen China ist, bewiesen einmal mehr unsere Konzerte: das Opernhaus von Changsha mit einem Fassungsvermögen von 1200 Besuchern war zweimal ausverkauft (und das bei Eintrittspreisen, die für einen Chinesen ein Viertel bis ein Drittel seines Monatseinkommens bedeuten). Nicht nur der Radetzky-Marsch oder der Donau-Walzer sind dort durch das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker bekannt, sondern die Tritsch-Tratsch-Polka oder Unter Donner und Blitz ebenso wie die Annen-Polka oder die Ungarischen Tänze von Brahms. Die Gratulanten, angeführt von unseren Landesräten und Politprominenz bis hin zu zahlreichen chinesischen Kindern drängten nach dem Schluss-Applaus auf die Bühne, um uns mit Blumen zu überhäufen und um Autogramme zu bitten.

Angesichts dieses Erfolges ist es nur allzu verständlich, dass bei der anschließenden Feier in der Hotelbar das Bier ausging, was Franz Nowotni, dem österreichischen Leiter des Hotels, vorher noch nie passiert ist. Am nächsten Tag wusste ganz Changsha davon Bescheid.

Die Landschaft Hunans ist geprägt von endlosen Reisfeldern, die mitunter von sanften Hügeln und kleinen Dörfern unterbrochen sind. Der soziale Unterschied zwischen Stadt und Land ist sehr groß. Unter ärmsten Bedingungen lebt die Landbevölkerung zu mehr als 90% vom Reisanbau. Um die Bevölkerungsexplosion in den Griff zu bekommen, darf jede Familie am Land nur drei Kinder haben, in der Stadt gar nur eines.

Etwa 3 Busstunden nordwestlich von Changsha liegt die Millionenstadt Changde, Ziel unserer Konzertreise am vorletzten Tag in der Provinz Hunan. Schon die Busfahrt dorthin war ein Abenteuer für sich: zwei Pannen brachten unseren Zeitplan kräftig ins Schwanken. Jedoch konnten wir unter Polizeischutz und eigens für uns geregelten Verkehr (sämtliche Kreuzungen gesperrt für die freie Durchfahrt unseres Busses!) die versäumte Zeit wieder aufholen. Unser Konzert am Abend im Theater von Changde war wiederum ausverkauft, und einmal mehr bereiteten wir mit unserer Musik den Menschen sehr große Freude. Dafür bedankten sich der Bürgermeister und die Stadtregierung höchstpersönlich bei den Mitgliedern des Musikvereins Deutschkreutz bei einem Privatempfang.

Spät nach Mitternacht trafen wir sehr müde in unserem wohlvertrauten Hotel in Changsha ein, und bevor wir die Koffer für die Weiterreise packten, nahmen wir Abschied von unserer Reiseleiterin Sabine, die uns all die Zeit sehr sorgsam führte und uns unglaublich viel Wissenswertes und Interessantes über Land und Leute vermittelte.

Letzte Station unserer Tournee war die chinesische Hauptstadt Peking. Nach ca. 2 Flugstunden landeten wir sicher und ausgeruht in einer ganz nach westlichem Flair aufblühenden Stadt. Die Zeit in Peking war leider zu knapp, aber einen ersten Eindruck von der Schönheit und Vielfalt der Kulturschätze und -denkmäler konnten wir allemal gewinnen. Zum einen faszinierten uns die Atmosphäre und die gigantischen Ausmaße innerhalb der Mauern der "Verbotenen Stadt" - deshalb so bezeichnet, weil während der feudalen Zeit der vielen chinesischen Dynastien nur derjenige Zutritt in den Kaiserpalast hatte, der die ausdrückliche Erlaubnis des Kaisers dazu hatte. Zum anderen hatten wir die sicherlich einzigartige Gelegenheit, auf der Großen (chinesischen) Mauer während eines - mitunter höchst anstrengenden - Spazierganges den Sinn und Zweck dieses größten Bauwerkes der Welt zu erfahren und zu begreifen.

Den krönenden Abschluss bildete am Abend des gleichen Tages ein Konzert im Festsaal des Instituts für Fremdsprachen an der Pekinger Universität. Jeder der etwa 600 - 700 Studenten, ehemaligen Absolventen, Professoren und Musikbegeisterten sprach Deutsch, ein Zeichen dafür, dass ein Land wie China sich sehr stark öffnet, um die Politik und Wirtschaft, vor allem aber die Kultur und die Menschen anderer Länder kennenzulernen.

Mit einem kulinarischen Leckerbissen - nämlich einer Peking-Ente - ging diese Reise zu Ende. Wir haben viele neue Freunde gewonnen und im Sinne Haydns erlebt, dass man unsere Botschaft über Grenzen, politische Systeme und Sprachbarrieren hinweg versteht.